Freitag, den 31. Dezember 2004
Stralsund und Umgebung
Schokoladenpapier auf dem Schachbrett?

Wer hat den Mut, sich selbst auf die Schippe zu nehmen? Natürlich Schach-Ass Claus-Peter Schoschies vom TSV 1860. Hier sein Live-Bericht:

Bei der diesjährigen Deutschen Bestenermittlung im Problemschach wollte ich unbedingt im Spitzenfeld ankommen. Dieses Vorhaben wäre bald in die Hose gegangen.

Gute sechs Spielstunden am Stück, und ohne jegliche Pause saß ich beim Bremer-Turnier schon am Schachbrett und brütete über die Problemschachaufgaben. Die Zwei-, Drei- und Vierzüger hatte ich meiner Meinung nach schon sicher und wohl auch fehlerfrei gelöst, auch beim Achtzüger hatte ich ein gutes Gefühl. Jetzt musste ich noch die letzten hammerschweren Mattkombinationen knacken. Viel Zeit hatte ich nicht mehr. Ganze 24 Schachfiguren standen noch auf dem Feld, darunter alle acht weißen Bauern. Klotz für Klotz baute ich nach meinem bekannten Muster auf. Plötzlich bemerkte ich, dass ein weißer Bauer fehlte...

Ich schaute links und rechts neben das Schachbrett, sah in den Figurenkasten, aber es war kein Bauer von weißer Farbe zu sichten. Vorsichtig – damit ich keinen Hexenschuss erleide – stand ich vom Stuhl auf und krabbelte unter dem Tisch. Ohne Erfolg. Die Schachuhr tickte ohne Gnade. Da kam meine zündende Idee. Auf dem Fußboden lag Schokoladenpapier mit Silberfolie. Drei, vier Handgriffe genügten, und ich verkleidete einen schwarzen in einen weißen Bauern. Und schon war mein zweiter Platz bei diesem Turnier gerettet.

Froher Dinge begab ich mich nach Turnierende in Richtung Hotel. Beim Laufen merkte ich ein leichtes Kribbeln und Stechen im linken Fuß. Ich schaute nach. Was mußten da meine Augen sehen? Einen weißen Bauern. Wie der in den Strumpf kam, weiß ich nicht. Wahrscheinlich war ich bei diesem Turnier so in meine Schachwelt versunken. Mit Sicherheit werden die Bremer Schachfreunde den Bauern vermissen. Sorry, er geht gleich nach dem Fest in Richtung Bremen auf die Reise, aber mit Schachsocke.